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Konferenz 2000 in Thessaloniki - Griechenland
Auf der Suche nach der weiblichen Seele Europas -
Mythos oder Realität?
140 Frauen aus den verschiedensten Kirchen in 25 Ländern Europas
trafen sich vom 29. Juni bis zum 3. Juli 2000 in Perea, bei Thessaloniki
in Griechenland zur Forumskonferenz 2000 mit dem Thema "Auf der Suche
nach der weiblichen Seele Europas - Mythos oder Realität?"
Unter ihnen befanden sich auch Eva-Sybille Vogel-Mfato, die neue Leiterin
des Frauenreferates und des Referates für zwischenkirchliche Hilfe
der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK), Marie-Louise van Wijk,
europäische Sprecherin der weltweiten katholischen Frauenorganisation
WUCWO aus den Niederlanden und die 84-jährige orthodoxeTheologin
Elisabeth Behr-Sigel aus Paris.
Die griechischen Organisatorinnen unter der Leitung der europäischen
Forumspräsidentin und orthodoxen Theologin Katerina Karkala
- Zorba arbeiteten ein Jahr lang voller Euphorie auf dieses Ziel hin,
inspiriert davon, als Wiege Europas für ein großes Forumstreffen
der rechte Ort zu sein. Die verschiedenen Visionen, Verstehensweisen und
Lebenssituationen europäischer Frauen sollten zusammengebracht werden
und besonders die ökumenische Vision europäischer Frauen zur
Sprache kommen.
Bei den letzten drei Versammlungen des ÖFCFE in Südeuropa
(Madrid, Porto, Thessaloniki) zeigte sich, dass die große Bedeutung
dieser Konferenzen für die Gastgeberinnen darin liegt, in den direkten
kirchenpolitischen Raum des Landes hineinzuwirken, in die Beziehungen
Minderheitenkirchen - Mehrheitskirchen - Ökumene.
Von großer Bedeutung war das Grußwort des Erzbischofs von
Athen, S. E. Christodoulos und die Einladung der 140 europäischen
Frauen durch S. E. Bischof Prokopios, Metropolit von Neas Krinis und Kalamaria.
Die Frauen der verschiedenen Kirchen Griechenlands wurden in ihrem Einsatz
für die Ökumene erlebt und wahrgenommen. Mit Selbstbewusstsein
traten die griechischen Theologinnen in ihre Öffentlichkeit. Das
ÖFCFE hat damit einen Beitrag geleistet für das Vorankommen
der allgemeinen ökumenischen Bemühungen, in der Vertrauensbildung
untereinander, aber besonders mit der griechisch - orthodoxen Kirche.
Allen Teilnehmerinnen war es ein bedeutendes Anliegen, die Begegnungen
untereinander zu intensivieren, sich besser kennenzulernen, sich in dem
griechischen Umfeld trotz der Hürde der zahlreichen Sprachen in den
drei Forumssprachen deutsch, englisch, französisch zu verständigen.
Viele Griechinnen und viele jüngere, neue Frauen aus Europa kamen
mit Interesse an der Forumsarbeit. Geduldig aufeinanderhören, Zwischentöne
beachten, wahrnehmen, wo die Frauen stehen, für wen sie sprechen,
wie sie ihre Situation in ihren Kirchen und Ländern beschreiben,
Wege gemeinsamer Lösungen gehen - das bleibt ein wesentlicher Prozess
auf dem Weg der ökumenischen Solidarität der Frauen in Europa.
In Vorträgen der griechischen Philosophin Kaiti Chiotelli
und der Schweizer Forumspräsidentin Catherine
Gyarmathy wurde die Identität der Europäischen Frauen
im neuen Millenium reflektiert und beschrieben, wie Frauen in Entscheidungssituationen
handeln, welche Voraussetzungen sie brauchen. In Gesprächsrunden
befragten die Frauen das Forum selbst auf die Übereinstimmung von
Visionen und Wirklichkeit und die Rolle der Strukturen und des eigenen
Einsatzes. Arbeitsgruppen entwickelten die Qualifikationen und Kompetenzen
von Frauen in den Anforderungen der Zukunft aus christlicher Sicht an
persönliches Wachstum und Entwicklung, im professionellen Geschäftsleben,
im globalen Dorf und im Umgang mit den neuen Medien. Die Herausforderung
epochaler Themen wie Gentechnologie und Bioethik, sowie der Menschenhandel
wurde in Informationsvorträgen von Fachfrauen, Berichten einzelner
Länder und mehrsprachigen Appellen an Europaabgeordnete bearbeitet.
Die Bekämpfung des Menschenhandels und die Überwindung der Gewalt
war das unhinterfagte gemeinsame Ziel des Ökumenischen Forums für
die nahe Zukunft. Die Internationale Konsultation in Driebergen "Frauenhandel
- eine Herausforderung für die Kirchen in Europa" im Dezember
1999 hatte in vielen Kirchen Europas dieses Thema Tagesordnung gebracht.
Das war auch bei dieser Versammlung der 140 Frauen aus europäischen
Kirchen deutlich spürbar. Dennoch blieb es, wie bei allen anderen
Themen, bei reinen Willenserklärungen, denen keine gemeinsamen Beschlüsse
folgten. Das Ökumenische Forum versteht sich offensichtlich nicht
als politisches Handlungsorgan.
Die Philosophin Kaiti Chiotelli meint in ihrem Vortrag:
Die weibliche Seele Europas muss sich dynamisch in der Verbindung zu allen
relevanten Vorgängen entwickeln, einbringenund verändern. Vor
den epochalen Herausforderungen unserer Zeit müssen Frauen gemeinsam
die eigenen Kulturen, Traditionen und Glaubenüberzeugungen jeweils
neu befragen. In ihnen können sie die Inspiration finden, um im Widerstand
gegen die Homogenisierung der Menschen und in Liebe zur Vielfalt die komplexen
Probleme mutig zu bearbeiten. Langsame Lösungen bergen im Prozess
der Globalisierung die Chance, Achtsamkeit gegenüber den Menschen
und Traditionen einfließen zu lassen. Es bedarf einer Kultur der
aufmerksamen Begleitung der Menschen, von denen ein Opfer ihrer Individualrechte
zugunsten der Kollektivrechte in der neuen europäischen Gesetzgebung
gefordert wird. Die Einheit wird gebremst, solange die Sensibilität
für die konkreten Menschen fehlt, deren Leben tiefgreifende Veränderungen
und Probleme durch große politische Entscheidungen erfährt.
Frauen müssen aus ihrer Rückbindung zu ihren überprüften
Werten kritisch urteilen und die scheinbaren Errungenschaften benennen,
dort, wo sie die Ausbeutung der Frauen und den Reichtum der Männer
weiterhin erhalten. Die (weibliche) Seele Europas kann nur in einem intensiven
und fortdauernd dynamischen Prozess erarbeitet und erhalten werden.
Dörte Massow
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