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Frauen und Kirche

Erste Frauenordination in Polen

16.05.2022

In der zentral gelegenen evangelischen St. Trinitatis-Kirche in Warschau/Polen wurden am 7. Mai 2022 neun Diakoninnen zu lutherischen Pfarrerinnen.Aus eigener tiefer Betroffenheit und großer Freude sandte ins Hanna Manser, Petersberg, diesen erfreulichen und bewegenden Bericht.

In Anwesenheit vieler Gläubigen und Glaubens-geschwister aus der lutherischen Weltkirche sowie einigen ökumenischen Gästen aus verschiedenen protestantischen Kirchen, haben neun evangelische Theologinnen ihren Ordinationseid geleistet.

Traditionsgemäß wurden die Ordinierten durch die Anrufung des Heiligen Geistes im altkirchlichen Hymnus 'Komm, Heiliger Geist', das Gebet und die Handauflegung ordiniert. Danach wurden ihnen über ihre Talare ein Chorhemd überzogen. Es handelt sich um das in Polen übliche liturgische Gewand, das die Pfarrer und seit jetzt auch Pfarrerinnen in manchen Regionen nur bei Hochfesten benutzen - und anderswo sonntäglich. Die neu Ordinierten werden mit Chorhemd eingekleidet, damit sie sich an die Reinheit des verkündigten Wortes und der gespendeten Sakramente und erinnern.

Es mangelte nicht an berührenden Momenten, etwa bei der Handauflegung der Ordinations-assistenten, bei denen es sich mehrfach um Ehemänner, Söhne oder andere Familienange-hörige handelte. Einer – der Pfarrer aus Stettin Slawomir Sikora - konnte seine Tränen nicht verbergen und rang um Fassung, als er das biblische Votum über seiner Frau Izabela aus-sprach. Nicht weniger berührend war die Reaktion der Festgemeinde, als sich die frisch ordinierten Pfarrerinnen zur Gemeinde umdrehten: Sie bekamen stehenden Applaus. Das sei im liturgischen Ablauf nicht vorgesehen, kommentierte Bischof Samiec sichtlich erfreut.

Symbolträchtiger für dieses historische Ereignis hätte es nicht sein können: Beim Einzug in die Kirche wurde die Originalausgabe der aus dem 16. Jahrhundert stammenden Brester-Bibel in die Kirche hineingetragen, auf die dann die Ordinierten ihren Eid leisteten.

Früher durften Theologinnen 'nur' zu Diakoninnen ordiniert werden. Nach der vorletzten Gesetzesänderung war es ihnen erlaubt, auch Abendmahlsgottesdiensten vorzustehen, was eigentlich schon davor praktiziert wurde, aber sie durften bisher keine Gemeinde leiten und mussten einen Pfarrer für Verwaltungsangelegenheiten als 'Aufseher' bekommen. Der Synodenbeschluss hat Ungereimtheiten und Widersprüche im Amtsverständnis, aber vor allem in der kirchlichen Praxis entfernt.

So gilt seit dem vergangenen Samstag: Es gibt jetzt evangelisch-lutherische Pfarrerinnen in Polen - ohne Wenn und Aber.

Quelle: https://www.evangelisch.de/inhalte/200994/12-05-2022/wir-sind-pfarrerinnen