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Ökumenische Meldungen

11. Vollversammlung, 3. September
Zwei persönliche Berichte

Carola und Irmhild, ÖRK

05.09.2022

Hier schreiben unsere zwei Delegierte Carola Ritter und Irmhild Buttler-Klose täglich einen kleinen Bericht über das, woran sie teilgenommen haben oder was ihnen besonders wichtig wurde. Zwei aktuelle Berichte lesen Sie hier, die zurück liegenden finden sie unter 'Ökumene - Meldungen' auf dieser home page.

Der Samstag auf der Vollversammlung

Heute waren alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen der VV eingeladen, an einer von 37 Tagesexkursionen in Orte der näheren oder weiteren Umgebung von Karlsruhe teilzunehmen.

Ich hatte mich im Vorfeld für Ludwigshafen entschieden. Die 90-minütige Fahrt im S-Bahn-Zug ermöglichte gute Gespräche innerhalb der 15-köpfigen Gruppe. Wir wurden von zwei ehrenamtlichen Helferinnen begleitet, von denen sich später herausstellte, dass sie sonst Leitungsfunktionen im badischen Oberkirchenrat innehaben.

Bei der Ankunft in Ludwigshafen wurden wir in der Bahnhofsunterführung von Mitgliedern der örtlichen ACK-Gemeinschaft mit einem Taize-Lied begrüßt.

Leider regnete es draußen, aber die Begrüßungsgruppe versorgte uns ausreichend mit Schirmen. Wir besuchten zunächst in der Innenstadt einige Kirchen, wobei eine davon die Ruine der Lutherkirche war. Nach den Luftangriffen im Krieg war nur der die Umgebung überragende Turm und die Rückwand wiederaufgebaut worden war, während die Außenumrisse des ehemaligen Kirchenschiffs heute einen Platz mit einem Brunnen umfassen.

In der nahen Melanchthonkirche – erbaut 1949 von Otto Bartning im Rahmen des Notkirchenprogramms – feierten wir eine Andacht mit der Pfarrerin der mennonitischen Gemeinde, die selber die Orgel spielte.

Zum Mittagessen fuhren wir in die katholische Rhein-Neckar-Akademie (Heinrich-Pesch-Haus). Dort wurden wir über ein neues, nachhaltiges Stadtteilprojekt informiert, das nach dem Verkauf eines Teils des Akademiegeländes entstehen soll.

Ein zwanzigminütiger Fußweg führte uns dann zu einem bekannten sozialen Brennpunkt der Stadt. Der dort schon langjährig tätige Sozialarbeiter berichtete uns von seiner schwierigen Arbeit mit den unter prekären Bedingungen lebenden Bewohnern. Er begrüßte uns mit dem Satz: „Welcome to the dark side of Gemany“. Ein Inder verglich die Situation mit der von Menschen in niedrigen Kasten in Indien. Die Exkursionsteilnehmer hörten mit großer Verwunderung, dass die Bewohner in diesem Viertel keine Migranten sind, sondern überwiegend Deutsche, die schon seit Generationen hier wohnen. Auf die Frage, wie er seine Arbeit so lange verkraften könne, sagte er, er empfinde die Begegnung mit den Menschen auch als Bereicherung.

 

Carola Ritter sandte uns diesen Bericht:

Im Rahmen des Begegnungsprogramms fanden heute Exkursionen die Region statt. Ich nahm teil am Programm in Ramstein:

„Zusammen für den Frieden?
Historische und aktuelle Bedeutung der Air Base.“

Nach einer Morgenandacht noch im Bus, fuhren wir zu einem Aussichtspunkt nach Landstuhl, wo wir uns einen Überblick über die riesigen Ausmaße und das Umfeld dieses größten Luftwaffenstützpunktes der USA außerhalb ihres Territoriums verschaffen konnten.
Hier hörten wir von der wechselvollen Geschichte des ursprünglichen Wehrmachtsflughafens, der heute die NATO-Kommandozentrale für Luftstreitkräfte ist. Wir erfuhren Zahlen und Fakten zur gegenwärtigen Funktion der Air Base und über die Auswirkung auf die Region: Neben dem ökonomischen Effekten für die Anrainerkommunen durch Handel und Wandel, kamen aber auch Umweltauswirkungen wie Grundwasserverschmutzung und Lärmbelästigung zur Sprache.
Für die friedensethische Betrachtung des Stützpunktes ist seine Funktion ausschlaggebend: Es gehört zu den  größten Umschlagplätzen militärischer Güter, Drehscheibe für die Einsätze in Europa und Afrika und vor allem wird hier die digitale Lenkung der weltweiten Drohneneinsätze des US-Militärs unterstützt.

Anschließend war unsere Gruppe, bestehend aus 15 Tagungsteilnehmer*innen aus sieben Nationen, in das Evangelische Gemeindehaus zu Austausch und Mittagessen eingeladen.

Im Gespräch mit dem Bürgermeister wurde deutlich, dass es eine große Akzeptanz der Militärsiedlung in der Bevölkerung gibt. Es gibt aber auch Sorgen, spätestens seit Beginn des Ukraine-Krieges, dass der Ort zur Zielscheibe von Angriffen zu werden könnte.

Der Superintendent der Region erinnerte an den christlichen Grundsatz: Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein und beurteilte aus dieser Perspektive die militärischen Aktivitäten, die von der Air Base ausgehen.
Vertreter von der „Friedensinitiative Westpfalz“ und die Gruppe „Frauen wagen Frieden“ gaben uns einen Einblick in ihre langjährigen und unablässigen Friedensaktivitäten rund um diese Militäransiedlung.
Zusammen mit ihnen und geleitet vom Referenten für Friedensarbeit in der Ev. Kirche der Pfalz feierten wir am Nachmittag eine Andacht an der Stelle, wo 1988 bei einer Flugschau ein schreckliches Unglück an der Air Base viele Menschen in den Tod riss und Tausende verletzte. Dieses Mahnmal verdeutlicht: Militär tötet auch ohne Krieg.
Die Erfahrungen dieses Tages bestärken mich in der Haltung, für Frieden einzutreten und dabei unsere Füße auf Wege zu richten, die nicht der Logik von Abschreckung und Gewalt folgen.
Sehr dankbar für alle Anschauungen und Begegnungen dieses Tages fahren wir nach Karlsruhe zurück.